Emil Nolde, Brennende Landschaft, Detail, o. D. | Aquarell, 17,1 × 20,2 cm | Nolde Stiftung Seebüll, (c) Nolde Stiftung Seebüll | Foto: Dirk Dunkelberg, Berlin

Über die Ausstellung

Der Expressionist Emil Nolde ist der wohl berühmteste ‚entartete Künstler’: von keinem anderen Künstler wurden so viele Arbeiten beschlagnahmt, keine anderen Werke hingen so prominent auf den ersten Stationen der Ausstellung Entartete Kunst von 1937/38. Wie passen Noldes Verfemung und sein Berufsverbot zu unserem Wissen, dass er NS-Parteimitglied war und bis zum Kriegsende den Glauben an das nationalsozialistische Regime nicht verlor?

Der Kunstkritiker Adolf Behne hob auf Noldes speziellen Fall ab, indem er ihn zum 80. Geburtstag 1947 pointiert als „entarteter ‚Entarteter‘“ bezeichnete. Dass Emil Nolde ein Parteimitglied war, ist seit langem bekannt. Aber was dies mit seiner Kunst zu tun hat, und wie sich die historischen Umstände des Nationalsozialismus auf sein Kunstschaffen ausgewirkt haben, ist bisher noch nie umfassend in einer Ausstellung untersucht worden.

Emil Nolde, Verlorenes Paradies, 1921 | Öl auf Leinwand, 106,5 × 157 cm |
Nolde Stiftung Seebüll © Nolde Stiftung Seebüll | Foto: Fotowerkstatt Elke Walford, Hamburg, und Dirk Dunkelberg, Berlin

Emil Nolde, Altes Bauernpaar, o. D. (vor 1942) | Aquarell, 21,9 × 16,5 cm |
Nolde Stiftung Seebüll © Nolde Stiftung Seebüll | Foto: Dirk Dunkelberg, Berlin

Die Ausstellung Emil Nolde – eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus beruht auf den Ergebnissen eines langjährigen wissenschaftlichen Forschungsprojektes, das erstmals die umfangreichen Bestände des Nolde-Nachlasses in Seebüll auswerten konnte und dabei so viel Neues zu Tage brachte, dass die hergebrachte Nolde-Erzählung revidiert werden muss.

So wird die Ausstellung zum Beispiel die berühmten „Ungemalten Bilder” – die kleinformatigen Aquarelle, die Nolde angeblich während der Zeit seines Berufsverbotes heimlich in Seebüll malte – in einem ganz neuen Licht präsentieren und als Teil einer langjährigen Praxis der Selbststilisierung erklären. Wie wichtig diese Selbststilisierung ist – und wie stark sie unseren Blick auf Nolde beeinflusst – wird den Besuchern durch eine Rekonstruktion des Bildersaales in Noldes Atelierhaus in Seebüll vor Augen geführt. Diese Rekonstruktion zeigt die Hängung von Gemälden und Aquarellen, wie sie der alte Künstler im Kriegswinter 1941/42 selbst vornahm.

Mit über 100 teilweise bislang nicht gezeigten Originalen, die mit Bezug auf Noldes Schriften und im Kontext ihrer historischen Entstehungsumstände präsentiert werden, möchte die Ausstellung die vielschichtigen Beziehungen zwischen Bildern, Selbstinszenierungen des Künstlers, Verfemung und Legendenbildung aufzeigen: Wie wirkte sich das ‚Dritte Reich’ auf Emil Noldes künstlerisches Werk aus? Inwiefern korrespondieren einige seiner Werke, beispielsweise seine Darstellungen mythischer Opferszenen oder nordischer Menschen, mit seinen Sympathien für das Regime? Welche Auswirkungen hatten die Diffamierung und das Berufsverbot auf Noldes künstlerische Praxis, und auf seine politische Einstellung? Und wie entstanden die Nolde-Mythen der Nachkriegszeit?

Die Ausstellung findet in der sogenannten „Neuen Galerie“ statt. Die „Neue Galerie“ im Hamburger Bahnhof fungiert als Dependance für die Neue Nationalgalerie während der Dauer ihrer Sanierung. In wechselnden Präsentationen werden Ausschnitte aus der Sammlung zur Kunst des frühen 20. Jahrhunderts vorgestellt. Die „Neue Galerie“ eröffnete mit „Die Schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung 1933-1945“ (2015) und zeigte Ausstellungen zu Ernst Ludwig Kirchner (2016), Rudolph Belling (2017) und Otto Mueller (2018).

Besuch planen

LAUFZEIT
12. April – 15. September 2019

AUSSTELLUNGSORT
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin
Staatliche Museen zu Berlin
Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin
www.smb.museum/hbf

EINTRITT
Regulär: 8 Euro
Ermäßigt: 4 Euro
Hausticket inkl. Sonderausstellungen:
Regulär: 14 Euro
Ermäßigt: 7 Euro
Freier Eintritt an jedem ersten Donnerstag im Monat von 16 bis 20 Uhr.
Für Kinder und Jugendliche bis einschließlich des vollendeten 18. Lebensjahrs ist der Eintritt in die Staatlichen Museen zu Berlin kostenfrei.
Tickets online buchen

VERKEHRSVERBINDUNGEN
U-Bahn U55 Hauptbahnhof, U6 Naturkundemuseum
S-Bahn S3, S5, S7, S75 Hauptbahnhof
Tram M5, M8, M10 Hauptbahnhof
Bus 120, 123, 142, 147, 245, M41, M85, TXL Hauptbahnhof

DIENSTLEISTUNGEN
Café/Buchhandlung/Kostenlose Garderobe

SYMPOSIUM
16. – 18. Mai 2019
Unbewältigt? Ästhetische Moderne und Nationalsozialismus. Kunst, Kunsthandel, Ausstellungspraxis. Ein Symposium der Ferdinand Müller Stiftung Forschungsstelle „Entartete Kunst” in Kooperation mit der Nationalgalerie Berlin.

ÖFFNUNGSZEITEN

Montag
geschlossen
Dienstag
10 – 18 Uhr
Mittwoch
10 – 18 Uhr
Donnerstag
10 – 20 Uhr
Freitag
10 – 18 Uhr
Samstag
11 – 18 Uhr
Sonntag
11 – 18 Uhr

SONDERÖFFNUNGSZEITEN AN FEIERTAGEN

Karfreitag bis Ostermontag (19. bis 22. April 2019): 11 – 18 Uhr
Maifeiertag (Mittwoch, 1. Mai 2019): 11 – 18 Uhr
Christi Himmelfahrt (Donnerstag, 30. Mai 2019): 11 – 18 Uhr
Pfingstsamstag bis Pfingstmontag (8. bis 10. Juni 2019): 11 – 18 Uhr

Katalog

Begleitend zur Ausstellung erscheint im Prestel Verlag ein zweibändiger Katalog: Neben dem umfangreichen Essay- und Bildband versammelt und kommentiert ein zweiter Band wichtige historische Dokumente zu Emil Nolde im Nationalsozialismus. Der Katalog erscheint in deutscher und englischer Sprache.

Emil Nolde. Eine deutsche Legende – Der Künstler im Nationalsozialismus
Band 1: Essay- und Bildband. Hardcover, Pappband, 384 Seiten, 23,0 x 30,0 cm, 250 farbige Abbildungen
Band 2: Chronik und Dokumente. Hardcover, Pappband, 304 Seiten, 23,0 x 30,0 cm, 200 farbige Abbildungen

Preis der Museumsausgabe: 39 Euro je Band (regulär: 45 Euro)

Herausgegeben von Bernhard Fulda, Christian Ring und Aya Soika.
Erhältlich im Museum und hier.

Die Kataloge wurden gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie die Ernst von Siemens Kunststiftung.

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin beherbergt reiche Sammlungen zeitgenössischer Kunst, die in einer Vielzahl von Ausstellungen gezeigt werden. Er ist das größte Haus der Nationalgalerie, deren umfassende Bestände außerdem in der Alten Nationalgalerie, der Neuen Nationalgalerie, dem Museum Berggruen und der Sammlung Scharf-Gerstenberg zu finden sind.

Mehr Informationen

Partner

Eine Ausstellung der Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, in Zusammenarbeit mit der Nolde Stiftung Seebüll ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie und unterstützt durch die Friede Springer Stiftung.

Medienpartner